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Gedicht der Woche
 
 
Der Käfer
er Käfer fliegt der Lilie zu,
  Da sitzt ein schöner Engel drin,
  Der schenkt den Gästen Blumensaft,
  Er gibt ihn für ein Spottgeld hin.

Der Engel fragt ihn: „Was beliebt?“
„Ein Schöppchen Alten bring mir her?“
Der Engel sagt: „Es tut mir leid,
Sie ließen keinen Tropfen mehr.“ —

„So schenk ein Schöppchen Neuen ein!“ —
Das Schöppchen steht auch gleich bereit,
Der Käfer trinkt, es schmeckt ihm gut.
Drauf fragt er nach der Schuldigkeit.

Der Engel sagt: „Nu, laß nur sein!
Doch eine Bitte richt mir aus:
Da nimm die Handvoll Blumenmehl
Und trag es zu des Nachbars Haus.

Der hat zwar selber, was er braucht,
Doch freut’s ihn, und er schickt auch mir
Oft eine Handvoll Blumenmehl,
Ein Tröpfchen Morgentau dafür.“

Der Käfer sagt: „I freilich, ja.
Gott’s Lohn, wenn du zufrieden bist!“
Er trägt das Mehl zum Nachbarhaus,
Wo wieder so ein Engel ist.

Er sagt: „Ich komm vom Nachbar her,
Gott grüß dich, und er schickt auch hier
Das Blumenmehl!“ — Der Engel sagt:
„Das kommt ja wie gerufen mir!“

Er ladet ab, der Engel schenkt
Ein Schöppchen guten Neuen ein
Und sagt: „Da trink eins, wenn du willst.“
Der Käfer sagt: „Das kann schon sein.“

Fliegt drauf zu seinem Schätzel hin,
Die wohnt im nächsten Haselstrauch.
Sie zankt: „Wo bleibst du denn so lang?“
Er sagt: „Nu, Schatz, man trinkt doch auch!“

Er küßt sie, nimmt sie in den Arm
Und macht sich einen guten Tag.
Drauf legt er sich ins Totenbett
Und sagt zur Liebsten: „Komm bald nach!“

Nu, Joseph? Was? Das scheint dir wohl?
Du hast auch so ein lustig Blut.
Ich denk, solch Leben, liebster Freund,
Das ist wohl für ein Tierchen gut.

Johann Peter Hebel (1760–1826)
(aus allemannischer Mundart übertragen
von Robert Reinick (1805–1852),
illustriert von Ludwig Richter (1803–1884))

 
 
 
14.01.2007

 


 
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